# Kontextinterviews

Mit Kontextinterviews wird der Nutzungskontext, also tatsächliche Arbeitsabläufe und Umgebungsbedingungen, einer Anwendung erfasst.

Bewertung

Kosten
Zeitaufwand
Notwendige Expertise
Zwei Personen beim Kontextinterview

# Zusammenfassung

Kontextinterviews werden üblicherweise am Ort der Interaktion (meistens der Arbeitsplatz) des Benutzers mit dem System durchgeführt und dienen der Erfassung des Nutzungskontextes des Benutzers. Diese Interviewart folgt dem Meister-Schüler-Prinzip. Das heißt der Interviewer sieht sich in der Rolle des Schülers, der vom Interviewten, dem Meister, lernen möchte wie dieser seine Aufgaben bearbeitet.

Kontextinterviews sind semi-strukturierte Interviews. Das heißt, es geht nicht darum, einen festen Plan an Fragen abzuarbeiten, sondern eher darum, eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen, in welcher hauptsächlich der Interviewpartner spricht. Der Interviewer bringt „Leitfragen“ mit, die das Gespräch auf verschiedene Aspekte der Aufgaben lenken sollen. Diese Fragen können und sollen nach jedem Interview überarbeitet werden, wenn sich neue Aspekte ergeben, die genauer untersucht werden sollen.

# Ergebnis

Informationen über die tatsächlichen Arbeitsabläufe und Umgebungsbedingungen. Die Erkenntnisse werden in Personas, Nutzungsszenarien und Nutzungsanforderungen dokumentiert. Sie sind außerdem die Grundlage für Usability-Tests.

# Vorgehen

Für erfolgreiche Kontextinterviews ist eine sorgfältige Auswahl der Interviewpartner unerlässlich. Idealerweise besitzt der Interviewpartner bereits einige Erfahrung in der Anwendungsdomäne und ist eine eher mitteilungsfreudige Person. Neben der Terminvereinbarung (pro Interview sind ca. 1,5 - 2 Stunden einzuplanen) sollte zur Vorbereitung ein Interviewleitfaden mit vorwiegend offenen Fragen erstellt werden. Dieser Leitfaden sollte jedoch nicht zur Steuerung des Interviews dienen (wiederspricht dem Meister-Schüler-Prinzip). Zwischen einzelnen Interviews sollten für den Interviewer etwa 15-30 Minuten Zeit geplant werden, um Notizen zu ergänzen.

Zu Beginn des Gesprächs ist es wichtig eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen und zu verdeutlichen das man vom Gesprächspartner lernen möchte. Es sollte betont werden, dass es sich keineswegs um eine Prüfungssituation handelt und die Daten natürlich vertraulich behandelt werden. Zur Dokumentation sind Ton-/Foto- und/oder Videoaufnahmen hilfreich. Dabei ist eine Einverständniserklärung notwendig und die Dokumentation darf den Interviewten nicht stören.

Während des Gesprächs sollte der Interviewer sich vom Interviewten leiten lassen, ihn nicht unterbrechen aber gezielt nachfragen um alle Aspekte zu erfassen und zu verstehen.

Nach dem Kontextinterview müssen die Aufzeichnungen ausgewertet und für die Dokumentation aufbereitet werden.

# Hilfsmittel und Templates

  • Interviewleitfaden
  • Zur Dokumentation: Foto-/Videokamera oder Tonaufnahmegerät [optional]

# Vorteile

Es werden die tatsächlichen und nicht die „erwünschten“ Arbeitsabläufe präzise erfasst. Dabei kommen auch alltägliche Schwierigkeiten und Workarounds sowie dem Nutzer unbewusste Aspekte zum Vorschein. Des Weiteren kann bei dieser Methode flexibel auf den Nutzer eingegangen und der Befragungsverlauf angepasst werden. Im Gegensatz zu einem Fragebogen hat der Interviewer die Möglichkeit bei Verständnisschwierigkeiten nachzufragen.

# Nachteile

Das Ergebnis ist abhängig von der Erfahrung und des Geschicks des Interviewers, auch um eine mögliche Beeinflussung auszuschließen. Als weiterer Nachteil ist der hohe Durchführungsaufwand anzusehen.

# Referenzen