# Heuristische Evaluation

Zweck
Usability-Probleme aufzeigen und Schweregrad identifizieren
Zeitaufwand
Abhängig vom Umfang der Anwendung, min. 1 PT
Beteiligte
ca. 3-5 Personen mit UX/Usability-Expertise
Erfahrungsstufe
Fortgeschritten
Symbolbild einer Checkliste

# Zusammenfassung

Bei der Heuristischen Evaluation untersucht ein Usability-Experte ein System auf Abweichungen gegen Evaluationskriterien, den sogenannten Heuristiken, etwa "10 goldene Regeln für GUI-Design".

Eine Inspektion durch Experten neben der Heuristischen Evaluation, beispielsweise auch der Cognitive Walkthrough, gibt Feedback, wie ein Produkt oder eine Konzeptidee optimiert werden kann. Expertenreviews allgemein sind besonders deswegen hilfreich, weil Usability-Experten aus der Erfahrung mit vielen verschiedenen Anwendungen heraus auch Lösungen für schwierige Design-Probleme vorschlagen können. Eine Inspektion durch Experten bietet sich besonders an, wenn ein bereits existierendes Produkt verbessert werden soll oder bereits Konzepte für ein neues Produkt vorliegen, die man aber noch nicht mit Endanwendern testen möchte.

# Ergebnis

Eine priorisierte und gewichtete Liste von Schwachstellen sowie Usability-Problemen des untersuchten Systems.

# Vorgehen

Im Vorfeld der heuristischen Evaluation müssen die Usability-Experten, die Heuristiken und der zu untersuchende Teil des interaktiven Systems ausgewählt werden. Es gibt viele mögliche Kriterien für eine heuristische Evaluation: Allgemeine Prinzipien sind Heuristiken wie beispielsweise die "10 goldene Regeln für GUI-Design". Solche allgemeinen Prinzipien bewegen sich auf einem hohen Abstraktionsniveau. Sie dienen daher mehr als allgemeine Richtlinien, gegen die nicht verstoßen werden sollte.

Prinzipien und Richtlinien können beispielsweise aus Normen stammen, wie der Usability-Normenreihe ISO/IEC 9241. Solche Richtlinien sind konkreter, beispielsweise: "Farbe sollte nicht als einziges Mittel eingesetzt werden, um Informationen abzubilden". Solche Richtlinien sind konkreter, aber typischerweise noch plattformunabhängig. Etablierte Konventionen sind beispielsweise Plattformstandards, wie die von Microsoft Windows, Apple Mac OS und iOS oder Android. Ein Beispiel für eine solche Plattformkonvention ist: "Ein Dialog hat immer einen 'OK'- und einen 'Abbrechen'-Button. Diese befinden sich in der unteren rechten Ecke."

Usability-Experten haben die allgemeineren dieser Kriterien verinnerlicht und werden nicht zu jedem einzelnen Befund einen Nachweis führen, warum ein Usability-Problem vermutet wird, wenn dies nicht explizit gewünscht ist. Die Evaluation führt jeder Usability-Experte selbstständig und einzeln anhand der gewählten Heuristiken durch.

Die Auswertung der heuristischen Evaluation können die Usability-Experten in einem gemeinsamen Workshop vornehmen, dabei sämtliche gefundenen Schwachstellen auflisten, hinsichtlich der Schwere klassifizieren und dann priorisieren.

# Hilfsmittel und Templates

# Einsatzzeitpunkt

Diese Methode kann sowohl auf fertige Anwendungen als auch auf Prototypen angewendet werden.

# Vorteile

Geringer Aufwand gegenüber Evaluationen mit Vertretern der Nutzergruppe. Diese Methode hat das Potential Probleme aufzudecken die Anwender evtl. gar nicht wahrnehmen, da sie bereits einen Workaround entwickelt haben.

# Nachteile

Die Qualität der Ergebnisse ist stark von der Expertise des Usability-Experten abhängig. Zusätzlich kann es schwierig sein, die häufig abstrakten Heuristiken auf ein konkretes interaktives System anzuwenden. Des Weiteren können gefundene Usability-Probleme evtl. nur schwierig zu den verwendeten Heuristiken zugeordnet werden. Bei der Methode werden Probleme, jedoch häufig noch keine Verbesserungsvorschläge produziert.

# Wichtige Hinweise

Die Evaluatoren müssen bei der heuristischen Evaluation systematisch vorgehen, um keine Aspekte zu übersehen. Gerade bei komplexen Anwendungen ist dies wichtig.

# Quellen